Jochen Rathmann's Bücher

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Donnerstag, 13. Oktober 2016

KAUM WORTE zu „Biografie“ von Maxim Biller

Würde man alles aus „Biografie“ herausstreichen, was nicht von höchster Bedeutung für den Inhalt ist, wäre der Roman so lang wie „Esra“.
Also hält man hier ein sehr geschwätziges und vor allem schweres Buch in den Händen. Und genau das macht bei der – nicht immer leichten – Lektüre Spaß. Dieser Roman ist nicht für alle; ist er aber auch nicht gedacht. Man muss öfters im üppigen Namensverzeichnis auf den ersten Seiten nachlesen, wer jetzt nochmal wer und warum jemand hier oder dort ist, aber nach einiger Zeit hat sich das Problem wie von selbst gelöst, weil man sehr schnell den roten Faden entdeckt hat, der auf gut 900 Seiten blassrosa schimmert, oder es auch oft keine allzu große Rolle spielt.
Es ist ein Spiel mit der Sprache und ein wilder Ritt quer durch die Welt. Zügiges Umdenken, auch während eines einzelnen Satzes, wird gefordert, da man als Leser schnell und viel herumkommt.
Natürlich kann man Maxim Biller vorwerfen, dass er öfters mal das Wesentliche aus den Augen verliert. Doch sind es gerade diese kleinen Momenten, in denen scheinbar nichts relevantes passiert, die zu den stärksten Augenblicken der Erzählung gehören. Und davon gibt es reichlich. Man muss nur den Mut und die Ausdauer haben, in diese Welt einzutauchen.


Mittwoch, 24. August 2016

KAUM WORTE zu „Die Vegetarierin“ von Han Kang

Dieser Roman ist harte Kost. Jeder, der selbst schon einmal in irgendeiner Art und Weise mit Menschen zu tun hatte, die unter einer psychischen Erkrankung leiden, kennt sich aus mit der Macht- und Hilfslosigkeit, die man als Außenstehender verspürt. Noch anstrengender wird die Lektüre aber aus deswegen, weil die südkoreanische Schriftstellerin Han Kang dem Leser in diesem Text keine Zeit zum Durchatmen lässt. Eine starke Szene reiht sich an die nächste.

Der Roman ist in drei Kapitel aufgeteilt, die alle ein und dieselbe Person im Mittelpunkt stehen haben; aber durch die Augen einer jeweils anderen Person mit einem gewissen zeitlichen Fortschritt die Ereignisse geschildert werden. Es fängt an mit einem Beziehungsdrama, geht über in einen sexuellen Künstlerroman und endet in einer wahrhaften Familientragödie.

Han Kang entwirft Bilder, die, selbst wenn man kein Gefallen an dem Buch findet, niemanden so schnell loslassen dürften. Eine Familie, die in völliger Ratlosigkeit die Option Gewalt wählt. Sich entblößt auf einer Parkbank zurückziehen, um dort den inneren Frieden zu finden. Ein Mann, der seine Frau nur deswegen ausgewählt hat, weil sie ihm so primitiv erschien, dass er sich selbst nicht mehr anstrengen müsste. Wir wissen nicht warum Die Vegetarierin zu dem Mensch wurde, der sie am Ende des Buches ist. Aber liest man zwischen den Zeilen, wird das Mitgefühl umso stärker.