Jochen Rathmann's Bücher

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Montag, 7. November 2016

Unfriend FILMKRITIK

(2016, Simon Verhoeven)

Bei dieser Art von Film ist es immer ein ganz schmaler Grat zwischen Seriosität und Lächerlichkeit. Und Simon Verhoeven hat in seinem Horror-Debüt die ernsten, guten Momente, doch dann verliert es sich wieder.
Es gelingt ihm nicht, die Spannung konstant auf einem Niveau zu halten. Viel zu oft verliert er den roten Faden und die Aufmerksamkeit des Zuschauers. Doch wenn es wieder an Fahrt aufnimmt, dann schaut man gerne zu.
Er spielt mit den Eigenheiten des Genres. Lässt Schreckmomente bewusst aus, wo man sie erwartet, nur um dann in unerwarteten Augenblicken zuzuschlagen. Doch leider bleibt es am Ende ein relativ unblutiger Einer-nach-dem-anderen-von-der-Liste-streichen-Slasher. Und dass er die Begründung für die Taten auf düstere Mythen und den Okkultismus zurückführt; ja, auch das macht nur bedingt Freude. „Unfriend“ ist also kein „unerwarteter Fehler“, hätte aber durchaus mehr sein können.
Doch das größte Lob geht an Gary Go, dem musikalischen Kreativpartner von Verhoeven, dessen Soundtrack den Höhepunkt des Films darstellt. Vor allem das Stück „The Beginning“, welches bei dem ein oder anderen als instrumentaler Ohrwurm hängenbleiben dürfte.


Dienstag, 1. November 2016

The Witch FILMKRITIK

(2015, Robert Eggers)

Das Schlimmste an „The Witch“ ist: Ich schätze diese Art von Film eigentlich sehr. Ich ziehe sie sogar die meiste Zeit anderen Filmen vor. Und oberflächlich ist das auch alles wahnsinnig interessant, doch wird es dann leider ganz schnell belanglos. Alles wirkt aufgesetzt. Der Horror, der überall angekündigt wird, bleibt irgendwie aus.
Heute muss jeder Horrorfilm der extremste, brutalste, schaurigste, gruseligste des Genres sein; doch dann muss man auch abliefern.
Einziger Lichtblick ist die Hauptdarstellerin Anya Taylor-Joy, als die der Hexerei bezichtigte Tomasin. Doch wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo 'ne Ziege her.


Donnerstag, 15. September 2016

The Invitation FILMKRITIK

(2015, Karyn Kusama)

Irgendwo in den Hollywood Hills. In einem schicken Haus. Ein Treffen von Freunden, die sich seit langer Zeit nicht mehr gesehen haben. Im Mittelpunkt ein getrenntes Paar, die beide neue Lebenspartner dabei haben. Eigentlich sollte man nur froh sein, mal wieder einen gemeinsamen Abend zusammen zu verbringen. Doch irgendwie ist alles seltsam. Merkwürdig.
Das empfindet zumindest die Hauptfigur Will, und damit ist er nicht alleine. Sicherlich, für die Figuren im Film ist er derjenige, der sich etwas eigenartig verhält. Doch wir als Zuschauer sind an seiner Seite und wissen sofort, dass dieser Abend tatsächlich ein finsteres Geheimnis birgt.
Die Stärke des Films ist es, dass wir jederzeit genauso viel wissen wie die Hauptfigur. Seine Zweifel sind unsere Zweifel. Sein Verdacht ist unser Verdacht. Und wenn er glaubt, dass er das Problem hat und nicht die Menschen um ihn herum, glauben auch wir, dass wir das Problem haben und nicht die Gäste dieser Dinnerparty. Und die letzten fünfzehn Minuten von „The Invitation“, die so ganz anders sind als die ersten anderthalb Stunden, sind da in gewisser Weise eine Genugtuung. Ein Filmerlebnis, wie man es nur noch selten finden kann.


Dienstag, 13. September 2016

Mother, May I Sleep with Danger? FILMKRITIK

(2016, Melanie Aitkenhead)

James Franco liebt bekanntermaßen die künstlerische Freiheit und Vielfalt. So wundert es nicht, dass irgendwo auf seiner Bucket-List auch ein traditioneller Lifetime-Fernsehfilm stehen musste.
Leider enttäuscht der Film über weite Strecken, obwohl er einige interessante Aspekte bietet. Doch die schauspielerische Leistung insgesamt fällt eher mager aus. Da kann auch Franco nicht helfen, der selbst in drei oder vier Szenen auftaucht, die er ganz offensichtlich an einem Vormittag schnell hintereinander abgedreht hat.
Doch die größte Peitsche für jeden geneigten Zuschauer ist der nervtötende Soundtrack. Aggressive Gitarrenmusik, viel zu laut abgemischt, die gefühlt 79 der 80 Minuten Filmlaufzeit im Hinter- bzw. Vordergrund den Betrachter auf eine harte Probe stellt.


Montag, 15. August 2016

The Boy FILMKRITIK

(2016, William Brent Bell)

Zunächst hat man Angst. Ja, tatsächlich. Schaut man sich im Jahr 2016 einen Film wie „The Boy“ an, hat man schon nach wenigen Minuten wirkliche, aufrichtige Angst. Angst, schon wieder an einen dieser massenproduzierten, langweiligen, Schema F-gestrickten möchtegernhybriden Mysteryhorrorfilm für Groß und Klein geraten zu sein.
Zumindest die ersten fünfundvierzig Minuten hält der Film diese Angst auch aufrecht. Alles schon mal dagewesen. Irgendwo schon gesehen. Jede Schreckpointe kündigt sich Minuten zuvor an. Offensichtliches steht nicht nur im Raum, es wird auch noch aus- und angesprochen und man möchte am liebsten viel Abstand von dieser ganzen Angelegenheit nehmen.
Doch dann kommt, wie aus dem Nichts, eine Szene, die man nicht unbedingt erwarten würde. Und plötzlich wendet sich das Blatt und alles wirkt irgendwie anders. Auch das erwartete Auftauchen eines bisher nur erwähnten Charakters hilft der Erzählung. Und am Ende hatte sich die Drehbuchautorin in allerletzter Sekunde gegen eine übliche unerklärliche Erklärung entschieden und für eine rationale Begründung der Geschehnisse. Dafür sollte man ihr noch einmal persönlich danken. Schließlich wird „The Boy“ dadurch zu keinem Eckpfeiler des Genres, aber immerhin zu einem unterhaltsamen Film.



Mittwoch, 8. Juni 2016

The Fog - Nebel des Grauens FILMKRITIK

(1980, John Carpenter)

Ein jeder weiß, dass es in der Kunst, sowohl im Film als auch der Literatur, im Endeffekt immer nur um die Atmosphäre geht. Je dichter, desto eher verzeiht man auch mal die ein oder andere Lücke in der Handlung; zumindest gilt das für mich. Dass „The Fog“ für seine einzigartige Atmosphäre mittlerweile seit Jahrzehnten geschätzt wird, schreit es einem ja aus jeder Rezension des Filmes entgegen – selbst aus den negativen Texten. Woran kann es dann also liegen, dass dieser Film für mich so überhaupt keine Atmosphäre besitzt. Es fängt durchaus vielversprechend an. Der Seemann, der den Kindern eine Geistergeschichte erzählt. Close-Ups der Stadt bei Nacht, ob der kleine romantische Radiosender im Leuchtturm oder eine Werkstatt, wie es sie in 80er Jahren-Filmen immer gegeben hat. Doch schon nach einer viertel Stunde ist der Zauber dahin und der Film plätschert einem müden Ende entgegen.

Montag, 17. August 2015

It Follows

Schon die erste Szene lässt einen nicht mehr los. Ein 360°-Kameraschwenk, der intensiver und hypnotischer wirkt als alles, was Inarritu und seine Computerprogrammierer mit „Birdman“ versucht und nicht erreicht haben. Von da an hält der Film den Zuschauer in seinem Bann. David Robert Mitchell arbeitet mit den Kameraeinstellungen, wie man es bisher nur selten in einem Film erlebt hat. Er baut Spannung in den Momenten auf, in denen man eigentlich mit nichts Bösem rechnet. Doch am grausamsten wird es, wenn er in einer Totalen alles zeigt. Die Figuren, die unbekümmert im Bildvordergrund stattfinden, während das „Es“ sich seinen Weg aus dem Hintergrund bahnt. Er lässt alles geschehen, denkt gar nicht daran, eine Szene vorzeitig zu beenden. Er reizt jeden Spannungsmoment bis ins schier unerträgliche aus. Selbst hartgesottene Zuschauer dürften da das ein oder andere Mal nervös auf der vorderen Stuhlkante auf und ab wippen.

Freitag, 3. Oktober 2014

[JR Filmkritik 2014] Unter Freunden - Komm, lass uns spielen


Unter Freunden - Komm, lass uns spielen
3/10

Schaut man sich die bisherigen Arbeiten und Kooperationen der Schauspielerinnen an, könnte man meinen, als Zuschauer wirklich Teil einer Freundesclique zu sein. Fast so, als würde man sich sowieso treffen und man dreht ganz nebenbei noch einen Film; quasi das Adam Sandler-Vehicle des Horrorfilms.

Bernadette lädt ihre Freunde in unregelmäßigen Abständen zu Mystery-Partys ein. Neben dem Feiern gibt es also auch noch ein paar Rätsel zu lösen. So auch an diesem Abend, stilsicher mit dem Motto "80's Prom". Doch wie es Low Budget-Horrorfilme so an sich haben, verläuft dieses Mal alles anders.

Danielle Harris, die sich wahrlich als Star des Genres bezeichnen darf, hat sowohl in jungen Jahren, als auch im Rob Zombie-Remake der "Halloween"-Filme mitgespielt und legt mit "Among Friends" ihr Spielfilmdebüt als Regisseurin vor. 

Auch wenn alles sehr vielversprechend und stimmig beginnt, verliert der ganze Film leider sehr schnell seinen Reiz. Zunächst ist es der Gedanke, eine Gruppe von guten Freunden gegeneinander auszuspielen, sie psychisch an ihre Grenzen zu bringen, sie mit Taten der Vergangenheit zu konfrontieren und neue Grenzen abzustecken. Doch statt solch einen Moment auszuschöpfen, folgt auf jede Offenbarung eine blutrünstige Tat als Bestrafung. Also ging es auch Harris im Endeffekt nur um schnelle und billige Effekthascherei.

Gleiches gilt auch für das Spiel mit der Meta-Ebene. In einem anderen Kontext bereichernd, verfehlt es hier leider vollständig sein Ziel. Vielleicht war Danielle Harris bei ihrer ersten großen Inszenierung etwas zu ambitioniert. Etwas kleiner gehalten und ein sparsamerer Umgang mit Kunstblut hätte dem Film gut getan.

"Unter Freunden - Komm, lass uns spielen" ist seit dem 02.10.2014 auf BluRay und DVD erhältlich.

Dienstag, 9. September 2014

[JR Filmkritik 2014] The Quiet Ones


The Quiet Ones
6/10

Basierend auf wahren Begebenheiten erzählt der Film von den grausamen und unmenschlichen Experimenten eines Professors und zwei seiner Studenten an einer jungen Frau, um die Existenz paranormaler Kräfte mittels psychologischen Traumata zu beweisen. Brian McNeil, ein junger Mann mit großer Begeisterung für Filmkameras, wird engagiert, um den weiteren Verlauf des Experiments für die Nachwelt festzuhalten. Neben dem üblichen Exorzisten-Geplänkel treten Probleme deshalb auf, weil Brian als Nicht-Wissenschaftler die Experimente nicht dulden kann, aber auch Gefühle für die Probandin entwickelt. 

"The Quiet Ones" funktioniert in erster Linie wegen seiner Darstellerin Olivia Cooke, die neben ihrer starken Leistung in der Fernsehserie "Bates Motel" nun auch ihren Weg im Filmgeschäft zu finden scheint. Und dennoch kann auch sie nicht vermeiden, dass weite Passagen des Films nicht das zulassen, was beabsichtigt wurde. Der besondere Look irritiert zunächst, das Zusammenspiel von Filmaufnahmen und nachgestelltem "Found-Footage"-Bildmaterial ergibt keinen flüssigen Rhythmus. Und einige nicht nachvollziehbare Plotentwicklungen deuten an, dass bei der Recherche nur aufs Grobe geachtet wurde. Was dem Zuschauer aber dann ganz sicher den Atem für einen Augenblick rauben wird, sind die Originalfotografien im Abspann. Vielleicht hätte man diese in den Vorspann einbauen sollen. Schließlich bekommt man dann doch Lust, die Sache noch einmal genauer zu überdenken.

"The Quiet Ones" ist seit dem 26.08.2014 auf BluRay und DVD erhältlich.

Mittwoch, 9. Juli 2014

[JR Filmkritik 2014] Almost Human


Almost Human
5/10

Joe Begos gelingt es, den Zuschauer in den ersten Sekunden mit seinem Film "Almost Human" in den Bann zu ziehen. Ein ziemlich aufgewühlter Kerl namens Seth fährt wie ein irrer durch die dunklen Straßen einer Stadt in Maine und kommt irgendwann bei seinem Kumpel Mark an. Irgendein Krach und irgendwelche Lichter verfolgen ihn und hätten einen gemeinsamen Freund (der von da an nicht mehr erwähnt wird!!!) mitgenommen. Mark glaubt natürlich, dass sein Freund ihm nur einen Scherz spielen will, muss aber spätestens dann skeptisch werden, als es im Haus zu Stromschwankungen kommt und er kurz darauf selbst in ein mysteriöses Licht gezogen wird. Doch zwei Jahre später taucht Mark plötzlich wieder auf, ist aber irgendwie nicht mehr er selbst. Er ist ein MAN ON A MISSION.

"Almost Human" spielt nach den klassischen Regeln des 80er Jahre Science Fiction-Horrorfilms. Doch sehr schnell stellt sich die Problematik ein, dass er nichts Neues anzubieten hat. Begos inszeniert stimmige Bilder; wer ein Faible für die Wälder Neuenglands hat, wird auf seine Kosten kommen. Und auch die beiden Hauptdarsteller wissen trotz ihrer bisher überschaubaren Laufbahn vor der Kamera zu überzeugen. Allen voran Graham Skipper, dessen Seth in den Jahren zwischen den Vorfällen alles andere als ein gutes Leben hatte.

Doch bleibt letztendlich eine große Überraschung aus. Irgendwie hat man alles schon gesehen, weiß, auf was es am Ende hinauslaufen wird. Man erkennt nach wenigen Sekunden die Motivation des zurückgekehrten Mark. Der Film kann mit einem geringen Budget eine dichte Atmosphäre erzeugen, doch hätte man auf die "Alien-Untersuchungsszenen" am besten verzichtet. Und ob Begos seine Schlussszene wirklich so konsequent hätte inszenieren müssen, wäre ein weiterer Punkt, über den man diskutieren könnte.

"Almost Human" ist seit dem 27.06.2014 auf BluRay und DVD erhältlich.