Jochen Rathmann's Bücher

Mittwoch, 20. Februar 2013

[OSCAR COUNTDOWN 2013] Der Hobbit - Eine unerwartete Reise



Der Hobbit – Eine unerwartete Reise
9/10
2012 / Peter Jackson / mit Martin Freeman, Sir Ian McKellen, Richard Armitage, Ken Stott, Graham McTavish,...

Der Stachel sitzt nach wie vor tief. Der Stachel, der Guillermo Del Toro nach langer Wartezeit dazu brachte, Neuseeland zu verlassen, nur um ein weiteres Mal mit seinen Bergen des Wahnsinns zu scheitern und eine Woche später die Dreharbeiten zum Hobbit grünes Licht bekommen. Was bleibt ist seine Beteiligung an den Drehbüchern und Designs, die im fertigen Film durchaus zu identifizieren sind.
Ist man aber ganz ehrlich, wer außer Peter Jackson hätte es überhaupt machen sollen und hätten wir uns einen anderen Regisseur gewünscht? Natürlich nicht, und so gewinnt man den Eindruck, der Hobbit macht genau dort weiter, wo die Rückkehr des Königs aufgehört hat, obwohl es sich um die Vorgeschichte handelt. Eines vorweg, auch wenn knapp zehn Jahre zwischen den Filmen liegen, macht sich dass in der Qualität der Effekte nicht unbedingt bemerkbar. Jackson ist es also gelungen, dem Star Wars-Effekt gekonnt aus dem Weg zu gehen.
Sowieso wirkt alles sehr routiniert. Sicherlich ist dem ersten Teil der Hobbit-Saga nicht der ganz große Wurf gelungen, allerdings kann er problemlos neben den drei Herr der Ringe-Filmen bestehen. Martin Freeman ist nahezu perfekt besetzt und bei weitem unterhaltsamer als Elijah Wood’s Frodo. Auch die Zwerge fügen sich gekonnt ins filmische Mittelerde und an die Seite von Gandalf dem Grauen ein.
Wie man das Hobbit-Experiment in Erinnerung behalten wird, zeigen die nächsten zwei Jahre. Dann werden die beiden Fortsetzungen sich definitiv einer härteren Kritik stellen müssen und vielleicht können dann ein paar Ecken und Kanten gutes tun und das Zünglein an der Waage sein, an die Vorgängertrilogie aufzuschließen.

Dienstag, 19. Februar 2013

[OSCAR COUNTDOWN 2013] Ted



Ted
9/10
2012 / Seth MacFarlane / mit Seth MacFarlane, Mark Wahlberg, Mila Kunis, Joel McHale, Giovanni Ribisi,...

Würde man einen Tag im Gehirn von Seth MacFarlane verbringen dürfen, es würde Züge eines David Foster Wallace Roman annehmen; wegen der ganzen Unterhaltung würde man an einem bestimmt Punkt einfach sterben.
Wer seine bisherigen Fernseharbeiten „Family Guy“, „American Dad“ und „The Cleveland Show“ kennt weiß, dass es ein glücklicher Tod wäre. Was will der Mann uns also noch auf der großen Leinwand beweisen?
Nach einem sprechenden Hund, einem Alien und einem Bären als Nachbar ist in der ersten Realarbeit von MacFarlane ein einfacher Plüschteddybär der beste Freund des Mannes.
Wie man es erwartet lebt der Film von seinem derben Humor. Es sind die stärksten Momente, wenn Mark Wahlberg und sein Kumpel Ted zusammen sind. Egal ob kiffend auf der Couch, beim Spaziergang im Park oder zugedröhnt auf einer Party. Doch das alleine hätte keinen Film gemacht und es wäre schnell auf ein Clipshow-Niveau heruntergefallen. Ein Film ist eben länger als episodenübliche 20 Minuten. Deswegen kommt es nicht selten vor, dass genretypische Klischees und Handlungsverläufe ihre Flügel ausbreiten und die Führung übernehmen. Doch gerade darin liegt MacFarlanes Stärke. Er nimmt sich dieser Klischees an und verfremdet sie solange, bis sie getrost zu den Kiffersprüchen passen. Da kann der harmlose Versuch, seine Freundin auf romantische Weise während eines Norah Jones Konzerts zurückgewinnen, ganz schnell zum Eklat werden.
Und wem das alles noch zu wenig ist, der darf auch mit den fortlaufenden Anspielungen rechnen, wie man sie von MacFarlane kennt und schätzt: Indiana Jones, 80s Musik und Star Wars.

[OSCAR COUNTDOWN 2013] James Bond 007 - Skyfall



James Bond 007 – Skyfall
9/10
2012 / Sam Mendes / mit Daniel Craig, Javier Bardem, Judi Dench, Ralph Fiennes, Naomie Harris, Ben Wishaw,...

„Casino Royale“ zählt zu den besten Filmen der Reihe und hat zu eben jener Wiederbelebung geführt, die eine angestaubte Filmreihe mehr als nötig hatte. Was auch immer „Ein Quantum Trost“ sein sollte, man sollte ihn einfach ausblenden und direkt zu „Skyfall“ kommen. Der Film, der das Image von Craig perfektioniert.
Sam Mendes rollt diese Geschichte von der anderen Seite auf. Zu Beginn sehen wir den „Quasitod“ von Bond. Nach seiner Rückkehr in den Dienst sind es vor allem die Schwächen, die den Agenten beherrschen. Man sieht ihn scheitern, durch körperliche Probleme verliert er einen wichtigen Zeugen. Er braucht einige Zeit, um wieder zu seinem alten Ego zurückzukehren. Parallel wird nicht nur die Geschichte des Bösewichts Silva (Javier Bardem) erzählt, sondern auch die von Eve, eine für die Reihe ungewohnt starke Partnerin, die ein interessantes Gleichgewicht in die Figurenkonstellation bringt. Mehr Tiefe bekommt der Charakter James Bond durch einen Blick zurück in die Vergangenheit, wie man ihn ebenfalls kaum aus den Vorgängerfilmen kennt. Mendes gelingt es, all diese Handlungsstränge miteinander zu verbinden und ein interessantes Stück Agentengeschichte zu schreiben.
Nur die Sache mit dem Bond-Song bleibt rätselhaft. Sicherlich ist das Lied von Adele stark und passt zu dem Film, aber es gab weitaus bessere. Hier übertrumpft der Hype um die Person die Qualität des Songs.

[OSCAR COUNTDOWN 2013] Prometheus - Dunkle Zeichen



Prometheus – Dunkle Zeichen
8/10
2012 / Ridley Scott / mit Noomi Rapace, Idris Elba, Michael Fassbender, Charlize Theron, Guy Pearce,…

Der  „Alien“-Film, der keiner ist, aber irgendwie doch. Eines muss man aber Regisseur Ridley Scott lassen, er hat dieses Wirrwarr geschickt ausgespielt. Es sieht aus, es fühlt sich an und schmeckt vermutlich auch wie „Alien“, löst sich aber von dem Druck, im Schatten seines früheren Meisterwerkes zu leben. Ein „Alien 5“ hätte es zu diesem Zeitpunkt auf dem Markt bei Kritik und Zuschauer vermutlich schwerer gehabt. Vielmehr schenkt uns Ridley Scott einen Neuanfang, den man einerseits beliebig in seine Filmografie einbauen kann, der aber ebenfalls der Start einer ganz neuen Reihe sein könnte.
Neben einem fabelhaft besetzten Cast, der ab und an mit den typischen Rollenklischees kämpfen muss (und leider oft verliert), steht allen voran Noomi Rapace im Vordergrund. Der mittlerweile überaus erfolgreiche und talentierte Export aus Schweden übernimmt den klassischen Sigourney Weaver-Part. Ridley Scott soll sie in der Millenium-Trilogie entdeckt haben, wo sie ihn vollends überzeugt hat.
Man hätte bei der Story sicherlich auch etwas auf Sparflamme kochen können. Ob es für diesen einen Film so sinnvoll war, direkt das Fass um den Quell des Lebens und das Leben des Menschen überhaupt auf zu machen, sei einmal dahingestellt. Allerdings kann ein starker Cast und eine ganze Reihe toller Effekte einiges an Logiklöchern wett machen.
Spannend bleib die Frage, wie es im „Prometheus-Universum“ weitergehen wird. Die letzte Szene des Films gibt eine Richtung vor, und beendet damit auch die „Alien-Frage“.

[OSCAR COUNTDOWN 2013] The Avengers



Wie schon im vergangenen Jahr werde ich diese Woche jeden Tag meine Filmkritiken zu den oscarnominierten Filmen veröffentlichen. Im Vergleich zum letzten Jahr sind es weitaus weniger und vor allem relevante Titel wie Life of Pi, Liebe, Beasts of Southern Wild, die alle 2012 Starttermine hatten, habe ich nicht mehr rechtzeitig sehen können.
Eröffnen möchte ich den [OSCAR COUNTDOWN 2013] mit The Avengers.

Diese Kritik wurde vorab am 7.5.2012 veröffentlicht.

  
The Avengers
8/10
2012 / Joss Whedon / mit Robert Downey Jr., Chris Hemsworth, Chris Evans, Mark Ruffalo, Jeremy Renner, Scarlett Johansson, Colbie Smulders, Samuel L. Jackson,…

Mutig war diese Herangehensweise von Marvel allemal, ein großes Filmimperium rund um die Superheldentruppe „The Avengers“ aufzubauen. Man kann tief fallen, Figuren oder Franchises, die in der Popkultur einen gewissen Stellenwert haben, müssen nicht auch zwangsläufig auf der großen Leinwand funktionieren. Und innerhalb einer Filmreihe ein eigenes Universum zu erschaffen, welches sich über viele Jahre und viele verschiedenen Projekte verteilt, ist durchaus ein Spiel mit dem Feuer.

Doch wie es scheint, ging der Plan von Marvel bisher auf. In den vergangen Jahren brachten es die Titelhelden Iron Man, Thor und Captain America auf ganze vier Film, die alle einen gewissen Erfolg verzeichnen konnten. Das besondere an diesen Filmen war aber vor allem, dass etliche Charaktere wie Nick Fury, Black Widow, Hawkeye, etc. hier ihre ersten Gehversuche unternehmen durften. Das erste große Highlight dieser Reihe versammelt alle Helden und den ganzen Rest, in dem von vielen erwarteten „The Avengers“.

In der Comicliteratur ist es keine Seltenheit, direkt mehrere Superhelden in den Ring zu schicken. Im Film blieb dieses Vorhaben bisher immer in einem überschaubarem Rahmen. In „The Avengers“ treffen so viele Helden aufeinander, wie es sie bisher noch in keinem Live – Action Film gab.

Keine leichte Aufgabe. Marvel hat sich entschieden, dieses Vorhaben der lebenden Geek – Legende Joss Whedon zu übertragen, der in seiner TV – Vergangenheit bewiesen hat, auch ein großes Ensemble im Griff zu haben und sich auch als ausgemachter Comickenner – und Autor einen Namen gemacht hat. Er ist der einzige (!!!) aufgelistete Drehbuchautor, was bei einem Film von diesem Ausmaß für eine Hollywoodproduktion eher untypisch ist. Vermutlich wusste man, dass auch der Person Whedon solch ein Projekt zu sehr am Herzen liegt, als dass er damit leichtsinnig umgehen würde.

Die Story ist quasi das indirekte Sequel zu Thor. Immerhin ist Loki der Bösewicht, der die Avengers auf Trapp hält. Auch Professor Erik Selvig, ein weiteres Mal von Stellen Skarsgard verkörpert, ist eine Figur aus dem ersten Thor Film.

Es ist keine Handlung, die sonderlich in die Tiefe geht. Auch wenn es sich vermutlich die meisten nicht eingestehen wollen, muss man den Film in einem direkten Vergleich mit dem im Sommer 2012 erscheinenden „The Dark Knight Rises“ sehen. Beide Filmen sind seit langem, und werden vermutlich für eine lange Zeit, die größten und meisterwarteten Produktionen im Bereich der Comicverfilmungen sein. Und zumindest diese Reihe um die Marvel – Helden ist gar nicht darauf angelegt, besonders tief in die Psyche und finsteren Seelen – soweit vorhanden – der Charaktere einzugehen. „The Avengers“ geht in die Breite, ist knallbunt und gespickt mit viel Superheldenaction. Der Gehalt der Story bleibt recht überschaubar, dennoch reiht sich ein Highlight an das nächste. Der Kampf Thor vs. Iron Man im Wald, Captain America und Iron Man retten vereint die Besatzung des Helicarriers, der erste Auftritt von Hulk, das große Finale in New York.

Der heimliche Star dieses Film, der „Anführer“ der Avengers und auch dieses Marvel – Franchises im Allgemeinen ist Tony Stark aka Iron Man. (Man beachte: Jon Favreau ist Executive Producer) Favreau hat dieser Figur in den ersten beiden Filmen neues Leben in die Seele eingehaucht. Robert Downey Jr. hat die Paraderolle seiner Karriere gefunden und macht hier genau dort weiter, wo er im letzten Film aufgehört hat. Es scheint sogar, dass er noch frischer und schlagfertiger wirkt, auf je mehr Helden er trifft. Nicht zuletzt die komplexe Beziehung zu Captain America, der im zweiten Weltkrieg ein Experiment aus der Feder von Starks Vater und dem Gründer von Stark Enterprises war.
Eine große Überraschung des Films ist Mark Ruffalo, der nach dem grandiosen Film von Ang Lee aus dem Jahre 2003 und einem etwas blassen Edward Norton der mittlerweile dritte Hulk in zehn Jahren ist. Ruffalo gibt der Figur des Dr. Bruce Banner viel, verleiht seinem Hulk eine frische Note. Einen für 2015 angedachten Einzelfilm sollte er sich mit dieser Leistung definitiv verdient haben. (Hier lohnt sich ein Blick auf die Heimkinofassung um den Film in der Originalversion zu sehen: Ferrigno-Time!!!)

Die verschiedenen Charaktere finden schnell ihren Platz im Gefüge. Joss Whedon hat bei seiner Inszenierung eine gelungene Balance in Punkto Auftritt und Leinwandpräsens gefunden. Konflikte und Zusammenhalt, sie funktionieren in der Gruppe. Auch im Kampf werden die Kräfte und Fähigkeiten der einzelnen Individuen zu einem großen Ganzen zusammengeführt.

Samuel L. Jacksons Nick Fury muss sich etwas zurücknehmen, er verlässt die Zentrale von S.H.I.E.L.D. kaum, navigiert und organisiert von seinem Luftschiff aus. Natürlich hat er nicht viel im Nahkampf bei den anderen zu suchen, aber etwas mehr Action hätte auch er verdient. An seiner Seite steht Maria Hill, gespielt von Cobie Smulders aka Robin Scherbatsky aka Robin Spakrles aus der populären Sitcom „How I Met Your Mother“. Ihr erster großer Auftritt in einer Hollywoodproduktion. Auch wenn sie ihre Sache recht ordentlich macht, wird dieser Ausflug auf die große Leinwand wohl eher eine Seltenheit bleiben.

Alles in allem ist das Experiment mit dem großen Superheldenfilm geglückt. Marvel sollte die positiven Einspielergebnisse und Kritik zu Herzen nehmen und sich in Zukunft etwas mehr zutrauen. Neben Fortsetzungen der schon bekannten Helden haben sich auch die restlichen „Rächer“ eigene Filme verdient, und auf einen zweiten oder sogar dritten „The Avengers“ warten wir sowieso.